D i e  H u s s i t e n k r i e g e  - 

                     D e r  D e u t s c h e  B a u e r n k r i e g -

                                      D e r D r e i ß i g j ä h r i g e  K r i e g

Die Hussitenkriege

Die Hussitenkriege tobten von 1419-1436 vor allem in Böhmen und Süddeutschland, ausgelöst durch die Verurteilung des böhmischen Theologen und Reformators Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil und seine dort 1415 unmittelbar erfolgende Verbrennung als Ketzer.

Nach seinem Tod entwickelte sich in Böhmen eine Stimmung religiöser, antikleraler und nationaler Erregung - die Hussitenbewegung - die sowohl von Teilen des böhmischen Adels wie auch von der Mehrheit der Bevölkerung Böhmens mitgetragen wurde. Bei den nachfolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen handelte es sich aber nicht um eine blutige Deutschlandverfolgung; die Hussitenkriege begründeten sich vielmehr in den sozialen Misständen sowie in dem Verlangen nach einer durchgreifenden Kirchenreform.

Die Hussiten formierten sich zu einem schlagkräftigen Heer und plünderten in den 1420er und 1430er Jahren bevorzugt kirchliche Plätze in Sachsen, Thüringen, Franken, Oberpfalz und Niederbayern. Das Kerngebiet der Hussitenbewegung lag im Landesinneren von Böhmen mit der stark befestigten Stadt Tobor als Zentrum.

Die besorgten und beunruhigten Bischöfe von Bamberg, Würzburg und Eichstätt reagierten, indem sie ihre Burgen, Städte, Märkte und Kirchen stärker befestigen ließen.

In den Haßbergen blieben bei Altenstein (Frontzwinger mit Doppelturmtor), Raueneck, Lichtenstein, Königsberg und mit der Stadtmauer Zeil am Main anschauliche Beispiele hussitenzeitlicher Neubefestigungen erhalten, übertroffen nur von dem Zwinger der Veste Coburg. Spezielle Schießscharten für Hakenbüchsen wurden entworfen und der Hakenbüchsenturm von Lichtenstein entstammt exakt aus jener Zeit.

Anmerkungen zum Feudalismus und dem Fehdewesen

Feudalismus

Die feudale Gesellschaft entstand im Frühmittelalter. Sie entwickelte sich im Reich der Franken, als eine vormals freie Bauernschaft durch ständige Kriege und Invasionen ökonomisch so stark beeinträchtigt wurde, dass sie teilweise freiwillig in die Abhängigkeit des Landesherren bzw. Grundbesitzers ging.

Dies bedeutete im Lauf der Zeit, dass die Bauern an die Scholle - das zu bestellende Land - gebunden waren und es nicht verlassen durften. Sie waren der Rechtssprechung ihrer Herren unterworfen und schuldeten dem Grundherren Abgaben in Form von Arbeitsleistungen (Frondienst) wie auch in Form von Naturalabgaben. Im Gegenzug schuldete der Grundherr dem Bauern Schutz vor Angreifern, was angesichts des Fehdewesens für die Bauern von großer Bedeutung war.

Fehdewesen

Im Frühmittelalter hatten die Familienangehörigen die Pflicht, den Totschlag oder die Beleidigung eines Angehörigen ihrer Sippe mit Waffen zu rächen. Der Totschläger oder dessen Verwandte konnten den drohenden Fehdekrieg verhindern, indem sie einen Teil ihres Viehbestandes anboten oder Geldbuße leisteten.

In einem Schriftstück von etwa 802 n Chr. wurde festgehalten, wie die Höhe des Bußgeldes von der begangenen Tat abhängig war: so steht es z.B. geschrieben: “Wenn jemand einem anderen ein Ohr abschlägt, büße er 12 Schillinge”. Für einen Schilling konnte man sich zu Beginn des 9. Jahrhunderts ein einjähriges Rind kaufen.

Oftmals waren die Verwandten des Ermordeten zu stolz, um sich ihr Racherecht mit Geld abkaufen zu lassen. Und so konnte ein Totschlag zu einer langjährigen Fehde zwischen zwei Familien führen, die vielen Menschen das Leben kostete. Hauptleidtragende dieser Auseinandersetzungen waren nicht nur die streitenden Familien, sondern immer wieder auch unbeteiligte Bauern und ihre Familien, denen man die Felder verwüstete, das Vieh raubte oder tötete und deren Häuser, Scheunen und Ställe anzündete.

Die Könige verloren durch das Fehdewesen nicht nur ihre Kämpfer, sondern mussten mit ansehen, wie ganze Landstriche zerstört wurden. So ist es verständlich, dass schon bald ein völliges Fehdeverbot ausgesprochen wurde, doch es dauerte lange, bis die kriegerische Selbstjustiz aufhörte.

Der große dt. Bauernkrieg 1525/26

Der Aufstand der Bauern gegen ihre jeweiligen Herrschaften ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen .

Im 13./14. Jahrhundert konnte die Landbevölkerung eine verhältnismäßig gute wirtschaftliche Situation erreichen. Doch im 15./16. Jahrhundert wuchs der Druck auf die Bauern durch zunehmenden Einforderungen an Frondiensten wie auch an Naturalabgaben. Die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft trugen also die Bauern. Nun verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation der Bauern rasch ebenso wie die der Handwerker.

Die Kämpfe zwischen Bauern und Fürsten fanden vor allem in Regionen mit zersplitterten Machtstrukturen statt, z.B. in Franken und im Schwabenland. Das Streben der weltlichen wie auch der kirchlichen Fürsten nach eigenen kleinen Territorialstaaten nahm zu und in diesem Zusammenhang forderten sie die vollständige Untertänigkeit nicht nur der Bauern und der städtischen Bürger, sondern auch die des niederen Adels. Die Ursache für die Bauernaufstände war im wesentlichen die regional unterschiedlich ausgeprägte Unterdrückungsstruktur einerseits und andererseits das Verlangen der betroffenen Schichten nach mehr Selbstbestimmung.

In der Abwehr der fürstlichen Machtansprüche kam es immer wieder zu Koalitionen zwischen den Städten, den Bauern und vereinzelt wirkte auch der niedere Adel bei den Kämpfen mit. Insgesamt waren 80-90% der Gesamtbevölkerung von den Repressalien betroffen. So kam es zu einer regelrechten Massenbewegung, die aber immer wieder von den Machtinhabern niedergeschlagen werden konnte, weil den Bauern eine gut organisierte überregionale Führung fehlte.

Verlauf des Bauernkrieges

1524 verdichteten sich die Konflikte und eine Entladung der angestauten Wut rückte in greifbarer Nähe. Es bildeten sich regional begrenzt agierende Bauernhaufen. Luther ermahnte die Bauern zur Ruhe während der Prediger und Bauernführer Thomas Müntzer die Bauernaufstände verteidigte. Weitere bekannte Bauernführer waren der Adlige Florian Geyer und Götz von Berlichingen.

Im Jahre 1525 überschlugen sich dann die Ereignisse. Vor allem in Süddeutschland und Thüringen tobte der große dt. Bauernkrieg. Die Bauern plünderten und zerstörten Schlösser, Burgen und Klöster. Diese Kampfhandlungen dauerten nur wenige Wochen. Wie im Weisach-Baunachgrund der fränkischen Haßberge werden die Bauernhaufen fast überall von der besser bewaffneten staatlichen Armee geschlagen. Die Aufstände brechen zusammen und ein Blutgericht folgt dem nächsten.

Die Folgen für die Aufständigen sind hart: die Überlebenden fallen automatisch in die Reichsacht, d.h. sie verlieren ihre staatsbürgerlichen Rechte. Die Anführer werden mit dem Tode bestraft. Ganzen Gemeinden werden Rechte aberkannt, weil sie die Bauern unterstützt haben. Feste werden verboten, Stadtbefestigungen geschleift, alle Waffen sind abzuliefern und abends dürfen keine Dorfschenken mehr besucht werden.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Verlust von mindestens 100.000 Bauern (manche Quellen sprechen von 130.000) sind enorm und sorgen dafür, dass in Deutschland auch politisch Vieles still steht und im Dreißigjährigen Krieg zum Spielball verschiedener Mächte wird.

Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648)

Im 30-jährigen Krieg wurde Deutschland zum Spielball europäischer Staaten, die um ihre Unabhängigkeit und Machterweiterung kämpften.

Im Vorfeld des Krieges hatte sich in Europa ein vielfältiges Spannungsfeld aus politischen, dynastischen und konfessionellen Gegensätzen aufgebaut. Im Wesentlichen gab es drei Konflikträume: Westeuropa, Oberitalien und der Ostseeraum. In Westeuropa und Oberitalien wurden die dynastischen Konflikte zwischen Habsburg und dem französischen König ausgetragen während im Ostseeraum zwei Reiche mit Großmachtambitionen - Dänemark und Schweden - um die Vorherrschaft kämpften.

Kriegsverlauf

Eigentlicher Auslöser des Krieges war der Ständeaufstand in Böhmen von 1618. Er hatte seine Wurzeln im Streit um den Majestätsbrief, der 1609 von Kaiser Rudolf II. ausgestellt wurde und den böhmischen Ständen Religionsfreiheit zusicherte. Sein nachfolgend regierender Bruder erkannte den Majestätsbrief bei Regierungsantritt zwar an, versuchte aber, die Zugeständnisse an die böhmischen Stände wieder rückgängig zu machen.

Als der nachfolgende Kaiser die Schließung einer evangelischen Kirche anordnete und obendrein die Ausübung der evangelischen Religion verbot, stürmten am 23. Mai mit Degen und Pistolen bewaffnete Adelige die Prager Burg. Am Ende der hitzigen Diskussion mit den kaiserlichen Stellvertretern wurden diese aus dem Fenster geworfen (Zweiter Prager Fenstersturz).

Im Zuge der Gegenreformation verschärfte sich dann der Religionsstreit. Aus den konfessionellen Gegensätzen und dem politischem Konflikt zwischen der Habsburgermonarchie und den Ständen entwickelte sich ein europäischer Religions- und Staatenkonflikt, der auf deutschem Boden ausgetragen wurde und an dem Frankreich, Spanien, Dänemark und besonders Schweden beteiligt waren.

Beunruhigt durch die kaiserliche Machtstellung an der Ostsee griff Gustav II. Adolf von Schweden in den Krieg ein. Sein Vorstoß nach Süden führte zu Wallensteins erneuter Berufung. In der Schlacht bei Lützen fiel der Schwedenkönig 1632. Wallenstein wurde wiederum abgesetzt und 1634 in kaiserlichem Auftrag ermordet.

Frankreich, schon seit langem Geldgeber Schwedens, griff nun in den Krieg ein, um die Übermacht des Hauses Habsburg zu begrenzen. In Richelieus Auftrag wurde ein Heer aufgestellt. Doch keiner Seite gelang es, die Kämpfe militärisch zu entscheiden. So führte die allgemeine Erschöpfung schließlich 1648 zum “Westfälischen Frieden”.

Der Dreißigjährige Krieg in der Rezeptionsgeschichte

Die Kriegshandlungen selbst - aber auch die durch sie verursachten Hungersnöte und Seuchen - verheerten und entvölkerten ganze Landstriche. In Teilen Süddeutschlands etwa überlebte nur ein Drittel der Bevölkerung. Nach den wirtschaftlichen und sozialen Verheerungen benötigten viele Territorien mehr als ein Jahrhundert, um sich von den Auswirkungen des Krieges zu erholen.

“Warum eigentlich wurde der Krieg geführt?” fragt Golo Mann in seiner Biographie “Wallenstein” und stellt zusammenfassend fest, dass in diesem Krieg egoistische Machtinteressen führend waren und das Wohlergehen der Untertanen nachrangig geworden war.

In der Folgezeit war nach Meinung reflektierender Historiker ein langer Nachreifungsprozess erforderlich, um den betroffenen Menschen das ursprüngliche Gefühl für die “liberalitas”, für die Freiheit des von innen heraus souveränen Menschen wiederzugeben und für seine Würde! (dignitas).

Später wurde der Begriff des “Dreißigjährigen Krieges” von Historikern grundsätzlich infrage gestellt. Beim Dreißigjährigen Krieg habe es sich in Wirklichkeit um eine Vielzahl paralleler und aufeinander folgender Kriege gehandelt. Die “Kriegsverdichtung” habe damals solche Ausmaße angenommen, dass es für die Zeitgenossen fast unmöglich war, zwischen den einzelnen Konflikten zu unterscheiden.

Hauptmotiv der Kriege war nicht der Kampf um Gerechtigkeit, sondern die menschenverachtende Vernichtung ganzer Völker zugunsten von Machtbehauptung und Ausbeutung. Auch wenn sich die Waffen im Verlauf der Jahrhunderte geändert haben, die Ursachen der Vernichtungsstrategien sind dieselben geblieben.

"Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt."

                                                                                                                                        Mahatma Gandhi